Z(uk)ünftig aufwärts
März 11, 2010Anlass
Am 10.3.2010 führte die Stadtteilvertretung Turmstraße im BVV-Saal des Rathauses Tiergarten eine Informationsveranstaltung durch. Inhalt des Zweistünders samt andockender munterer Kleingruppengespräche war die Zukunft der Arminius Markthalle in Moabit. Auch wenn das eher nach aufgeregter Lokalpolitik mit hochroten Köpfen klingt, hat das viel mit Wirtschaft zu tun. Und zwar des 19., 20. und 21. Jahrhunderts.
Inhalt
Brutalstverkürzt war die Idee der Markthallen zum Zeitpunkt ihrer Planung revolutionär und hat sich nicht zufällig an vielen als gemütlich und urlaubsgeeignet wahrgenommenen Orten gehalten. Die Betreiber / Eigentümer solcher Objekte haben teilweise nur leider jahrzehntelang gepennt und weder etwas für den Hallenmix noch für Erlebniseinkauf (von mir auch eventshopping, wenn Sie es dann besser verstehen…) getan. Und plopp sind alle erstaunt, dass es große Shoppingzentren und das Internet gibt.
Spaß beiseite. Nach langer Zeit hat mit der Zunft AG mal wieder jemand eine überzeugende Idee, wie man mit einer offensichtlich hochwertigen denkmalgeschützten(!) Fläche auch etwas ökonomisch sinnvolles tun kann. Dazu findet sich beim Bloggerkollegen Vilmoskörte dieser gute Beitrag. Ich denke, dass es hier um nicht weniger geht, als die Halle aus den 1960er Jahren ins neue Jahrtausend zu lotsen.
Sozialstudie
Die Moabiter Melange des Abends war teilweise eine Mäh-lange. Zum Glück für meinen Kiez wußten sich fast alle zu benehmen. Die eine oder andere Länge bei wenig pointierten Fragen halte ich für verzeihlich. Die politische Schicht macht dieses inhaltsminimierte Langfaseln ja leider oft vor. Dass jedoch lesefaule und nicht hinhörende Menschen wieder besseres Wissens einfach nur um des Krawalls wollen rumnöhlen, habe ich als belastend für den Gast und die Mehrheit der Anwesenden wahrgenommen. Vielleicht ist gute Kinderstube doch Glücksfall? Aber egal. Es gab für meinen Geschmack von wichtigen Akteuren an den richtigen Stellen wahlweise Applaus oder Augenrollen.
Geschäftsrelevante Idee
Ein ideengetriebener Investor, der den Rahmen für kleinere Investoren - nämlich Händler und Anbieter mit einem passenden Sortiment - schafft und sich um Vernetzung und den großen Zusammenhang kümmert, könnte eine ökonomische Chance darstellen. Wenn es nämlich einigermaßen Planungssicherheit darüber gibt, dass in dieser wunderbaren Halle nicht 5 Trödler und ebenso viele Stände mit verzichtbarem Billigangebot oder Leerstand den Gesamteindruck stören, kann auch und gerade ein Anbieter mit einem wertigen Angebot dort seine Heimat finden. Schauen Sie es sich ruhig mal an. Und im Zweifel fragen Sie den Macher des Projektes persönlich. Christoph Hinderfeld ist nämlich einer mit offenen Augen, offenen Ohren und offenem Visiert. So jedenfalls mein Eindruck.