Prämierung 2. Stufe

Der Ort 

Der Ort war mit dem Goya leicht irritierend gewählt. Schließlich steht er u.a. für schlechte Wirtschaftsnachrichten, die einen Gründer nicht eben beflügeln. Wer das alte Metropol der 80er Jahre noch kennt, wird wohl gesehen haben, mit wieviel Geld und Mühe der marode Charme des alten Ortes ausgetrieben wurde. Die Saalbeleuchtung mit reichlich Kerzen an etwas überladenen Glasgehängen warf die Frage auf, wie schnell man feiern muss, um der drohenden Dunkelheit oder einem waghalsigen Tauschmanöver abgebrannter Elemente zu entgehen. Drollige Rache des gedüsseldorften Hauses: Im Foyer zieht es wie schon immer hechtsuppengleich…

Die Moderation
Ben Kühl fehlte. Eine Poppuppe mit seinem Kopf inspirierte aber immerhin zu überwiegend kurzen und erträglichen Redebeiträgen, die in einem Wettbewerb wie diesem wohl sein müssen. Das eine oder andere an Altherrenlarmoyanz über Frauenförderung, Frauen als Gründerin u.ä. wäre zwischen der Prämierung des zweitplatzierten und des Siegbeitrages besser unterblieben, wie die weibliche Umgebung des Schreibers zu bemerken wusste. Dem neige ich zuzustimmen.

Die 3 G-Winner-Teams
Sorry bereits jetzt für mögliche sprachliche Schärfen, aber so habe ich es wahrgenommen… Erfreulicherweise konnte man anders als in der ersten Runde die Teams ganz gut auseinanderhalten und der Mix war ein viel bunterer. Sehr erfreulich! Die LAMA Games GmbH konnte nicht so ganz klar machen, was genau sie tun, was denn der Zielkunde sei und womit dabei Geld verdient werden soll. Elevator pitch im engeren Sinn versenkt würde ich sagen. Aber immerhin wurde das Ganze mit breiter Brust und dem Habitus des an den Erfolg Glaubenden und beinahe in der Zeit vorgetragen und ein wenig unter Wert auf Platz 3 geTEDet. Auf Platz zwei fanden sich wieder das bereits aus der 1. Prämierung bekannte Doktorenrudel, dem offenbar noch keiner erklärt hat, wie lange 5 Minuten dauern, was das Wesentliche einer Geschäftsidee ist oder dass man potentielle Investoren mit zuviel Fachvokabular ohne eine klar formulierte Ertragsaussicht nicht eben begeistert. Zum Schluss aber das Beste: Die junge, sympatisch auftretende, klar formulierende Sarah Oßwald führte vor, wie man ein Publikum im Handstreich nimmt. Der tosende Applaus und fast eine 2/3 Mehrheit des TED schoben die Tentstation wie selbstverständlich auf den Thron. Die FitnessGaleere gratuliert von Herzen zu Ergbnis und Idee! Nachhaltiges Wirtschaften durch Zwischennutzung, eine witzige Idee, bei der amtliche Bedenkenträger nie auf Erfolg gesetz hätten und die vermutete Sturheit der Gründer in der Überwindung bestimmter Hindernisse sind ein schönes Beispiel, wie es JEDER und JEDE schaffen kann, etwas aufzubauen.

Kaffeesatzlesen
Möglicherweise ist es ein wenig unfair, alle Projekte über den selben Kamm zu scheren. Eine schwer erklärbare Innovation mit hohem Forschungsaufwand ist von der Sache her weniger sexy und damit einem verwöhnten Publikum schwer verkaufbar. Und wir brauchen diese hier in Berlin-Brandenburg, um nach dem Jammern über den Wegbruch bestimmter Industrien wieder die Nase nach vorn zu bekommen. Genauso brauchen wir aber auch viele kleine Ideen, die dafür sorgen, dass die Einzigartigkeit des Biotops Berlin erhalten und konsequent ausgebaut werden. Vielleicht braucht es da Kategorien wie small, medium und large Business Award? Etwas in der Richtung wünschte ich mir jedenfalls!