Techies und Schlipse
oder: Warum laut Martina technisch Hochbegabte (für Nicht-Insider: Techies) u.a. für den Umgang mit Schlipsen (für Nicht-Insider: technisch weniger begabte Kaufleute) ihr Buch brauchen könnten.
Ich habe Martina Diel mit neugieriger Absicht auf dem Linuxtag im Rahmen der Vorstellung ihres gelegentlich auf einem Nachbarblog zu rezensierenden Buches kennengelernt. Nach dem offiziellen Teil dieser Übung habe ich ihr mein Konzept der strukturierten Interviews erklärt und gefragt, ob wir nicht einfach so tun wollen, als wäre ihr erstes Buch so wie eine Gründung zu behandeln. Damit habe ich eine interesante Interviewpartnerin gewonnen und sie hat ein Medium für eine bzw. mehrere Botschaften, die die Leser hier interessieren könnten. Und das ist das Gerüst des Interviews:
- Person Martina Diel
- Das IT-Karrierehandbuch Mission und Markt
- Erfolgsfaktoren
- Nachahmungstip
- Vermeidungstip
- Projektpromotion
- bblogs.de
Wer ist Martina Diel und was sind Ihre wichtigsten Eigenschaften in Bezug auf das Buch?
Ich bin zum einen IT-Beraterin und Coach mit vielen Kunden aus der IT-Branche, zum anderen habe ich aber einen fachfremdem Studienhintergrund und habe in der Rolle des Interviewers viele Vorstellungsgespräche mit Techies geführt. Das bedeutet, dass ich beide Perspektiven kenne: die des Quereinsteigers in die IT, der von Technik und Fachterminologie wenig versteht und beim Gespräch mit Informatikern erstmal nur Bahnhof versteht. Andererseits kenne ich aber auch aus meiner eigenen Berufserfahrung und aus dem Kontakt mit meinen Kunden die Sicht von innen, desjenigen, der in der Branche arbeitet.
Was macht das IT-Karrierehandbuch und wer braucht es in erster Linie?
Das IT-Karrierehandbuch beleuchtet den kompletten „Life Cycle“ einer Berufstätigkeit in der IT-Branche – von den ersten Überlegungen, was denn ein geeigneter Job sein könnte, über die Recherche passender Stellen und die Entwicklung von geeigneten Bewerbungsunterlagen bis hin zu Erfolgsstrategien für den Berufsstart und die Weiterentwicklung im Job. Aber natürlich wird auch die Option der Selbständigkeit als Freelancer diskutiert. Ich denke, das IT-Karrierehandbuch ist ein guter Begleiter durch den Berufsalltag und kann sowohl dem Absolventen nutzen, der gerade in die Berufstätigkeit wechselt, als auch erfahrenen Techies, die wissen wollen, wie sie im Job weiterkommen, auch wenn sie von „Schlipsen“ umgeben sind, die rein gar nichts zu verstehen scheinen.
Wenn Sie beliebig aufgeteilt 100 Punkte dafür vergeben können, was Ihrer Ansicht nach heutzutage erfolgsrelevant für eine Firmengründung / ein erfolgreiches Projekt ist, wie würde sich das auf diese Faktoren verteilen:
- vorab vorhandenes Netzwerk – sehr wichtig, damit kann man nicht früh genug anfangen. - 25 Punkte
- Kapital – kommt darauf an. Viele Gründungsideen sind nicht sehr kapitalintensiv und erlauben einen „sanften“ Start vom vielzitierten heimischen Küchentisch (oder hier eher: Desktop) aus. Dennoch sollte ein Polster vorhanden sein, das einen über eine mehrmonatige Auftragsflaute hinwegträgt, denn viele Marketingmaßnahmen greifen erst nach ein paar Monaten. - hier tue ich mir schwer, eine feste Punktzahl zu vergeben.
- Personal – siehe Kapital. ursprüngliche Gründungsidee – Gute Ideen haben viele, echte Geniestreiche mit hohem innovativen Potential sind selten. Die Umsetzung ist oft weitaus anspruchsvoller, daher ist die… - 10 Punkte
- systematische Verfeinerung der Gründungsidee - … hier sicher ein bedeutenderer Erfolgsfaktor. Vielen Jungunternehmern fehlt auch einfach kaufmännisches Handwerkszeug, sie verlieren Bodenhaftung und lassen es an Pragmatismus mangeln. 20 Punkte
- unternehmerisches Näschen für einen sich eröffnenden Markt – Wichtiger Punkt, denn die beste Idee nutzt nichts, wenn der Markt noch nicht oder nicht mehr offen dafür ist. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ist ganz zentral – das zu schaffen, dazu kann Networking beitragen, siehe den ersten Punkt. 20 Punkte
(Sollte Ihnen ein Faktor fehlen, ergänzen Sie die Liste einfach…)
- Noch etwas ist nach meinem Dafürhalten sehr wichtig: die für eine Selbständigkeit erforderliche Persönlichkeit. Als Unternehmer muss man unter anderem risikobereit, belastbar und offensiv sein und außerdem gut und gerne kommunizieren. Das ist meiner Erfahrung nach häufig wichtiger als das tollste Venture Capital oder die innovativste Idee. 25 Punkte
Welche besonders gut gelungene Aktivität als Gründer würden Sie anderen Gründungswilligen zur Nachahmung empfehlen?
Ich würde immer wieder eine Spezialisierung anstreben – ähnlich wie bei Bewerbungen heißt es, klares Profil zu zeigen, statt zu versuchen, einen Gemischtwarenladen zu betreiben aus Angst, dass einem Kunden entgehen. Wer alles können will, kann nichts richtig, oder hinterlässt am Markt jedenfalls diesen Eindruck von Beliebigkeit. Meine Positionierung als Coach und Beraterin für die IT-Branche hat sich sehr bewährt und kommt bei der Zielgruppe sehr gut an – was aber interessanterweise nicht heißt, dass sich Kunden aus anderen Branchen abgeschreckt fühlen.
Welche schlechter gelungene Aktivität als Gründer sollte ein Gründungswilliger aus Ihrer Sicht besser meiden?
Ich habe lange Zeit nicht genug daran gedacht, dass auch ich meine eigenen Akkus wieder aufladen muss. Meine Begeisterung für die vielen Gestaltungsmöglichkeiten in der neuen Selbstständigkeit hat dazu geführt, dass ich zu lange Zeit hinweg von morgens 8 bis abends 23 Uhr gearbeitet habe, sechs Tage die Woche, bis ich ernste gesundheitliche Probleme bekommen habe und gezwungen war, kürzer zu treten. So etwas sollten sich andere Gründer gerne ersparen.
Welcher Weg zur Promotion eines eigenen Projektes scheint Ihnen besonders erfolgversprechend und zeitgemäß?
Networking, Networking, Networking – ob es um meine Coaching-Räume geht, um viele meiner Kunden, mein Buchprojekt oder ganz einfach hilfreiche Ideen zum Geschäftsalltag – all das ist direkt oder indirekt ein Produkt meiner Networking-Arbeit, die ich eigentlich schon immer, seit einigen Jahren aber systematisch betreibe. Ich kann das wirklich nur allen Gründern ans Herz legen, viel mehr als konventionelle Akquisitionsmethoden. Gerade wenn man nicht zu den Vollblutverkäufern im Lande gehört, ist dieser Weg sehr empfehlenswert – er kommt ohne die übliche „Kundenjagd“ aus, sondern setzt auf das Prinzip des Angelns: wirf einen verlockenden Köder in den passenden Teich aus und schau, wer anbeißt. Sie verfügen mit ziele-wege-perspektiven.de über eine aufgeräumte nutzerfreundliche Seite, wo man alle konventionell als notwendig erachteten Informationen schnell findet.
Haben Sie schon mal über einen parallel geführtes Businessblog nachgedacht und was spräche ggf. für die Nutzung von bblogs.de?
Ich betreibe unter http://blog.thildkroete.de bereits ein Blog – allerdings mit vorwiegend privaten Inhalten. Ein Businessblog ist auf jeden Fall eine Alternative, über die ich nachdenke, bisher hatten allerdings andere Dinge Priorität. Wenn das einmal anders werden sollte, spricht natürlich gar nichts gegen bblogs.de - im Gegenteil.
Der Businessblogbringer dankt herzlich für die handfesten und offenen Antworten von Martina Diel!