Martin Dolling deklamiert zu Geschäftsmodellen
Der offizielle Titel des Jour-fixe lautete “Das Geschäftsmodell optimieren“, was trotz des unwirtlichen Wetters und der urlaubsverlockenden Nähe zum Jahreswechsel neben dem BPWblogger eine recht üppige Schar von Zuhörern angelockt hatte. Der Referent der Wagemann & Partner New Consulting GmbH hat es aber leider und offenbar geschafft, zahlreiche Erwartungen der Anfangszuhörerschaft so zu enttäuschen, dass diese bis zum Schlußgong um gefühlte satte 80% geschmolzen war. Was waren mögliche Mißerfolgsgeheimnisse, die bei erfolgreicher Selbstreflexion zukünftig zu anderen Ergbnissen führen könnten?
- Aus dem Publikum wurde minutenlang ebenso höflich wie bestimmt und nachvollziehbar kritisiert, dass der Referent sich als reiner Folienvorleser mit wenig Schlenkern weg vom allen vorliegenden Material gab. Seine für mein Ohr subjektiv häufigste Formulierung dabei war “dann geht es um”, die bei derEntfernung vom Original oder Erklärung von Details gern um ein “sozusagen” gewürzt wurde.
- Die Folien entsprachen üblicher Konvention dessen, was mit einem bestimmten Folienvorführprogramm so gemacht wird. Guy Kawasaki bietet im Vorwort zu Garr Reynolds Buch Zen oder die Kunst der Präsentation (zur Rezension) ein kraftvolles Zitat an: “95% aller Präsentationen sind zum Kotzen”. Damit zielte Kawasaki auf die konventionelle Nutzung der Waffe Folienvorführprogramm ohne darstellerische Inspiration und Rücksicht auf die Zuhörerschaft.
- Die Folien entsprechen nicht der ansonsten üblichen BPW-Optik und werden sonst womöglich für den Pitch bei Interessenten eingesetzt. Das hat es womöglich erschwert, einen eher lehrreichen als imponierenden Vortrag damit zu halten.
- Trotz der “eigentlichen” Verfügbarkeit der Information in der Gliederung ergab sich für zahlreiche Zuhörer eher versehentlich und auf Nachfrage der Zusammenhang, dass zwei größere Blöcke der Folienvorlesung zwei unterschiedlich komplexe Methoden beschreiben, mit deren Hilfe man sein eigenes Geschäftsmodell befragen und auf Probleme und Lücken abklopfen kann.
- Gemessen am konkreten Wissensappetit einer Reihe von Zuhörern gab es für meinen Geschmack und den einiger Feedbackbogenausfüller offenbar zu abstrakte und fleischarme Kost.
Ich fand es in der Rückschau beinahe schon komisch, dass Dolling irgendwann das grandiose Buch von Prof. Faltin Kopf schlägt Kapital (zur Rezension) zückte. Allein dessen zwei Subtitel stellen ein schönen Kontrast zum Erlebten des Abends dar. Sie lauten:
- Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu Gründen
- Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein
Ich biete mal eine geträumte Lösung an, wie es womöglich ein aufregender Abend hätte werden können: Der Dozent erklärt wahlweise, dass er die Folien vergessen oder keine Lust auf deren Verlesung habe. Schließlich sind sie ja auch nicht von ihm sondern der Firma. Er schnappt sich das Flipchart und entwickelt schrittweise mit dem Publikum die Bausteine, die bei der Prüfung und Optimierung am häufigsten vergessen oder sonstwie am wichtigsten sind. Dieses Chart ist zum Schluß so kompakt und selbsterklärend, dass es abfotografiert und ins Web gestellt wird. Zahlreiche Praxisbeispiele runden dieses Chart so ab, dass man sich leicht an zahlreiche Details erinnert
Zurück ins reale Leben: Für mich war der Abend in Summe allein deshalb nett, weil ich eine Reihe netter und interessanter Menschen treffen konnte, die ich z.T. bereits aus dem Internet kannte. Womöglich wird über deren Ideen hier auch bald etwas zu lesen sein. Die haben nämlich echt tolle Dinge vor!
Nachträge
- Als erste der getroffenen Unternehmerinnen hatte ich die charmante Barbara Müller im GründerView, welches Sie hier lesen können.
- Ich habe eine weitere mündliche Zusage zu einem GründerView!
Januar 6, 2009, 12:17 pm
Nett der letzte Absatz. Der spricht ja von uns!!
Januar 10, 2009, 5:37 pm
“Sozusagen!”,
kann ich jetzt nur noch schrei(b)en!
Berthild Lorenz
Januar 25, 2009, 12:48 pm
Danke für das Feedback!
In der Tat ein interessanter Abend! Ich habe viele sehr unterschiedliche Feedbacks bekommen.
Meine Reaktion: Der zu diesem Abend erstellt Vortrag wurde noch einmal komplett überarbeitet. Praxis und Theorieteil miteinander verknüpft und auch die unterschiedliche Systematik beider Teile des Vortrags aneinander angepaßt!
Insofern gibt es hier weitere Fortschritte!
Martin Dolling
Februar 4, 2009, 11:29 am
Es ist gut zu wissen, dass der eine oder andere meiner Hinweise angenommen werden kann und hoffentlich zu Ergebnissen führt.
Es verfügt ja nicht jeder über das Entertainment-Gen von Herrn Owen, aber eigentlich wünschen sich nach meiner Erfahrung alle Teilnehmer solche Vorträge…
Mein persönlicher Traum sind noch Fachvorträge im knackigen Format Pecha-Kucha (http://pechakucha.de/) oder mit im Raum hängender Twitterwall (http://www.mein.meerblickzimmer.de/2008/republica-twitterwall/). Also Luft nach oben ist noch reichlich zu füllen.