Misserfolgsfaktor Gründungsberatung

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Nicht jede Gründungsberatung ist gemeint.

Es mag knechtruprechtvolle Säcke Dienstleister geben, deren Rat und Tat im Zusammenhang mit einer  Gründungsvorbereitung oder -durchführung sinnvoll und zielführend ist. So wie wir gelernt haben, dass wir keine PERSON sondern nur ein VERHALTEN derselben kritisieren, möchte ich nun 3 übliche Standbeine deutscher Gründungsberatung blutgrätschen. Wer aus dem Beitrag etwas lernt, sei in der Fraktion Andersdenkender herzlich willkommen. Wer sich persönlich angegriffen fühlt, mag sich bitte die Frage nach der Substanz meiner Kritik stellen. Außerdem ist die Kommentarfunktion auch dieses Beitrags freigeschaltet.

Damit mein liebevoll gewirkter Leserköder wirken kann, werfe ich in den Lesering mal 3 Begriffe, die ich dann unverzüglich ausführen werde:

  1. Gründertypfrage
  2. Förderungsfalle
  3. Fetisch Finanzierung

Gründertypfrage

“Sind Sie Gründertyp?” oder “Die 99 wichtigsten Eigenschaften des Gründers” oder “Was Ihnen als Gründer garantiert passieren wird”. Fragenkataloge oder Aussagen, mit denen wirklich - oder auch nur vermeintlich - durchblickende Menschen ratsuchende Menschen potentiell einschüchtern, ließe sich mit einigen Variationen nahezu beliebig verlängern. Ein knapper Rat zu solchen Angeboten: Vergessen Sie es! Ich will mich vor dem Warum nicht drücken und notfalls auch für die Jahreszeit zu weit aus dem Fenster lehnen:

  • Was halten Sie von jemandem, der Ihnen pauschal und ohne Einzelprüfung vor dem Essen sagt, wie es Ihnen schmecken wird? Denn wie soll eine Dritte Person wirklich wissen, ob Sie es als Unternehmer packen werden oder nicht?
  • Fragen Sie mal nach den Quellen, nach denen irgendwelche VOR einer Gründung vorhandenen Eigenschaften eines Vielleichtgründers angeblich mit dem Erfolg NACH der Gründung korreliert. Da werden Ihnen angebotene Antworten vermutlich dünn bis phantasievoll.
  • Sollten nach einigen Fragen die passenden Pakete zur Behebung Ihrer ach so bremsenden persönlichen Mängel bereit liegen, sind Sie nicht bei einer ordentlichen Beratung sondern womöglich bei einer Butterfahrt für Softskillrödel gelandet.

Förderungsfalle

Die jeweils aktuellen Förderprogramme (gilt sowohl für Zuschuss als auch Darlehen) von Europa, Bund, Land, Gemeinde und Verwaltungseinheiten aller Arten denkbarer Akteure sind so zahlreich, dass vermutlich kein Mensch in Deutschland alle kennt. Das ergibt für Sie leider keinen Sinn, denn das einzige was damit gefördert wird, sind ein paar abrechnenden Stellen, Broschürenentwerfer und Druckereien.

Nüchtern betrachtet sollten Sie mal etwas objektivierend berechnen, was gern mal weniger betont wird, als es für meinen Geschmack eigentlich angebracht ist:

  • Was in Euro kostet es Sie, dass externe Helfer Dinge für Sie tun, um in den Genuss einer bestimmtem Förderung zu kommen?
  • Wie viele Stunden Bürokratie für Antrag, Berichtswesen und sonstige Pflichten haben Sie plötzlich am Bein, um einen bestimmte Förderung zu erhalten? Mit welchem Stundensatz kalkulieren Sie das?
  • Geben Sie womöglich unternehmerische Freiheiten auf, wenn Sie eine bestimmte Förderung in Anspruch nehmen, weil z.B. bei Aktivitäten mit bestimmter Reichweite plötzlich ein Vertreter des Fördermittelgebers mit an Ihrem Tisch sitzt?

Fetisch Finanzierung

Ich wundere mich nicht selten, wenn Menschen juchzen, weil Sie eine externe Finanzierung über x Euro “geschafft” hätten.  Dabei werden ein paar Dinge übersehen oder verdrängt, die in überspitzter Formulierung womöglich eine andere
Gefühlsäußerung hervor brächten:

  • Der Abschluss einer externen Finanzierung bedeutet zunächst einmal, dass Ihnen eine Bank oder ein anderer Geldgeber einen Kredit oder ein damit verwandtes Finanzprodukt verkauft hat. Ihr Geschäftspartner macht das ständig und Sie tendenziell viel seltener. Wer wird da in der Tendenz das bessere Ende erwischen?
  • Wie viel Freiheit zur Gestaltung des Unternehmens oder zur Verwendung ggf. erzielter Gewinne geben Sie bereits vor Beginn aus der Hand?
  • Der Prozess der externen Finanzierung ist aufwändig und stark formalisiert. Das kostet Zeit und damit zu kalkulierendes Geld. Außerdem sind Sie eigentlich angetreten, um mit einem bestimmten Angebot ein Kundenbedürfnis zu befriedigen und nicht, um Diagramme zu malen und Zahlenkolonnen für Dritte zu befehligen. Unterschätzen Sie bitte nicht, wie nervig das ist und wie viel Energie für die eigentliche Idee dabei drauf geht.

Versuch eines Auswegs

Wenn Sie formal abarbeitbare Dinge von Ihrer Gründungsidee wegstreichen, weil die sowieso ALLEN bekannt - und damit nicht mehr für die Alleinstellung relevant - sind, kann es nur die Lösung geben, am konzeptionell-kreativen Teil der Gründung zu arbeiten und auf Konventionen zunächst einmal weitgehend zu pfeifen.

Das mag zunächst ein wenig verwirrend klingen, ist aber letztlich logisch. Wenn nämlich 2 Menschen mit der gleichen Rohidee 2 Wochen eingesperrt werden und man danach die Ergebnisse anschaut, wird man mit gewisser Wahrscheinlichkeit den einzigen Unterschied zwischen den jeweiligen Konzepten im Menschen sehen, mit dem sie verbunden sind.

Wer es bis hierher geschafft hat, dem sei verraten, dass ich in diesem Bereich seit einiger Zeit unter dem Arbeitstitel Business Creation Consulting arbeite.

2 Kommentare zu “Misserfolgsfaktor Gründungsberatung”

  1. Nicolaus Fäustle sagt:

    Die Gründertypfrage halte ich schon für wichtig.
    Angst sollte man damit nicht machen, aber die meisten Gründer sind so euphorisiert, dass die kommenden Herausforderungen ziemlich klein zu sein scheinen.
    Ich denke, wenn man verantwortungsvoll berät, dann sollte/muß man die möglichen Problemfelder ansprechen.
    Und das Hauptproblem liegt doch oft in der Person des Gründers selbst.
    Unternehmer sein setzt Vieles voraus und ist selbst wiederum eine Voraussetzung für den Gründungserfolg. Genauso wie ausreichende Finanzierung oder ein sinnvoller Unternehmenszweck.
    Ich bin mir bei den meisten Beratern nur nicht klar, wie sie diesen Punkt besprechen wollen.
    Wer hat denn schon selbst gegründet oder war mit eigenem Unternehmen am Markt?
    Bei allen Anderen ist es doch nur weitergeben von theoretischem Wissen, dass sie von einem Dritten bezogen haben.
    Das ist in etwa so, wie bei einem Bäcker, der nur Rohlinge aufbacken kann.

  2. businessplan sagt:

    Ich gestehe, dass ich zuungunsten nachhaltig arbeitender Berater das Trommelfell ein wenig stark pauschalisierend strapaziert habe. Das nimmt mir jedoch nicht meine Bedenken, dass in zahlreichen Beratungen mangels echter Erfahrungen sich an Konventionen entlang gehangelt wird. Das mit ernster Mine im teuren Anzug vorgetragen hilft leider nicht immer…

    Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Wert auf eine wirklich ausgearbeitete Kernidee gelegt würde und ein Businessplan so lange gewalkt und geknetet wird, bis Banker, Wettbewerbe wie der BPW Berlin Brandenburg und Günter Faltin (u.a. Autor von Kopf schlägt Kapital) virtuell nicken…

    Achtung Eigenwerbung: Meine 5 Cent zur Verbesserung könnte das sein, was ich mangels vernünftigen deutschen Namens immer noch Business Creation Consulting nenne. Mehr dazu findet die geneigte Leserschaft auf http://www.ubkmu.de/bcc.html

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